Warum wir vorerst keine Pakete mehr nach Deutschland schicken

Danke, Europa!

Liebe deutsche Kunden,

leider haben wir beschlossen, vorerst keine Pakete mehr nach Deutschland zu versenden.

Nicht, weil PostNL Deutschland nicht mehr findet. Nicht, weil Hermes keine Pakete mehr zustellen kann. Und auch nicht, weil Energy Drinks in Deutschland verboten wurden.

Nein.

Dafür dürfen wir der europäischen Verpackungsgesetzgebung danken.

Der europäische Binnenmarkt – eigentlich ganz einfach

Die Idee des europäischen Binnenmarktes ist simpel: Waren sollen sich innerhalb der EU möglichst frei bewegen können.

Wir verkaufen in den Niederlanden einen Karton Energy Drinks an einen deutschen Kunden. PostNL bringt ihn nach Deutschland, Hermes übernimmt die Zustellung und wenige Tage später steht das Paket vor der Haustür.

Mit der neuen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) wird es für den Händler allerdings komplizierter. Beim direkten Verkauf an Verbraucher in anderen EU-Ländern können Onlinehändler mit der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) im jeweiligen Zielland konfrontiert werden.

Registrieren, Verpackungsmengen melden, Gebühren bezahlen, nationale Systeme berücksichtigen und je nach Situation einen Bevollmächtigten organisieren.

Die Grenze für das Paket ist verschwunden. Dafür bekommt der Händler eine administrative.

Wem dürfen wir dafür danken?

Der ursprüngliche Vorschlag kam von der Europäischen Kommission. Anschließend wurde die Verordnung vom Europäischen Parlament und den EU-Mitgliedstaaten behandelt.

Und nein: Das war keineswegs nur ein Projekt der Grünen.

Bei der Abstimmung über den PPWR-Kompromiss im Europäischen Parlament am 24. April 2024 stimmten:

476 dafür – 129 dagegen – 24 Enthaltungen.

Christdemokraten, Sozialdemokraten, Liberale und Grüne fanden bei diesem Thema zusammen.

Europa mag sich über Migration, Steuern, Landwirtschaft und Energie streiten.

Wenn es um zusätzliche Vorschriften für einen Karton geht, funktioniert die europäische Zusammenarbeit offenbar hervorragend.

Auch die Umweltverbände waren dabei

Organisationen wie Rethink Plastic Alliance, Zero Waste Europe, European Environmental Bureau und Deutsche Umwelthilfe haben sich für ambitionierte europäische Verpackungsregeln, weniger Verpackungsabfall, mehr Wiederverwendung und stärkere Herstellerverantwortung eingesetzt.

Das Ziel verstehen wir durchaus. Auch wir möchten unnötigen Verpackungsmüll vermeiden.

Wir haben lediglich Zweifel daran, ob ein Karton nachhaltiger wird, wenn der Händler vorher zusätzliche Registrierungen und Meldungen in verschiedenen europäischen Ländern erledigt.

Vielleicht haben wir die moderne Kreislaufwirtschaft einfach noch nicht vollständig verstanden.

Und was sagt der Wahlzettel?

Natürlich geben wir keine Wahlempfehlung.

Aber wer wissen möchte, welche deutschen Parteien die PPWR unterstützt haben, kann einen Blick auf das tatsächliche Abstimmungsverhalten werfen:

SPD – dafür
Bündnis 90/Die Grünen – dafür
CDU/CSU – überwiegend dafür
Die Linke – überwiegend dafür
FDP – dagegen
AfD – dagegen

Die deutsche FDP-Delegation begründete ihre Ablehnung unter anderem damit, dass bei einschneidenden Maßnahmen nicht ausreichend nachgewiesen worden sei, dass diese in der Gesamtbilanz tatsächlich einen positiven Umwelteffekt haben.

Auch die AfD stimmte dagegen. Als Begründung wurden unter anderem zusätzliche EU-Bürokratie und das Subsidiaritätsprinzip angeführt: Verpackungsregeln sollten ihrer Ansicht nach stärker in der Zuständigkeit der einzelnen Mitgliedstaaten bleiben.

Unser Wahltipp lautet deshalb nicht „Wählen Sie Partei X“, sondern:

Schauen Sie nicht nur auf Wahlplakate. Schauen Sie auch darauf, wie tatsächlich abgestimmt wurde.

Unsere Lösung

Für große internationale Unternehmen sind solche Verpflichtungen vermutlich vor allem eine weitere Aufgabe für die Compliance-Abteilung.

Für einen spezialisierten Onlinehändler sieht die Rechnung anders aus.

Deshalb präsentieren wir stolz unsere neueste Innovation:

Das umweltfreundlichste Paket Europas

0 Gramm Karton.
0 Gramm Plastik.
0 Gramm Füllmaterial.
0 Gramm CO₂ beim Transport.

Das Paket, das wir nicht verschicken.

Und genau deshalb versenden wir vorerst keine Bestellungen mehr nach Deutschland.

Das tut uns für unsere deutschen Kunden wirklich leid. Wir würden euch viel lieber besondere Energy Drinks verkaufen, als unsere Zeit mit europäischem Verpackungsrecht zu verbringen.

PostNL könnte das Paket transportieren. Hermes könnte es zustellen. Ihr möchtet bestellen. Wir möchten liefern.

Aber Europa hat es geschafft, aus einem einfachen Karton ein Compliance-Projekt zu machen.

Danke, Europa!

World of Energy Drinks